Melanie Fischer
Erlesenes

Erlesenes

Ich lese für mein Leben gerne und möchte Euch in diesem Blog an meinem Erlesenen teilhaben lassen und Euch eine Hilfestellung bei der schier unbegrenzten Auswahl an Büchern geben. Dabei ist mir wichtig, Euch kurz und knapp das Wesentliche mitzugeben. Ellenlange Inhaltsangaben und das seitenweise Vorlesen aus den Büchern gibt es hier nicht. Auch Verrisse gehören nicht hierher, denn Ihr sollt ja Lust aufs Lesen bekommen. Hier findet Ihr regelmäßig Buchempfehlungen aus den Bereichen Belletristik, Klassiker und Sachbuch. Schaut einfach rein! Ich freue mich über Euer Feedback unter info@melfischer.de.


Thomas Oláh: Doppler

Thomas Olah: Doppler

Sprachgewaltig kommt der Debütroman von Thomas Oláh daher. Ein Junge wird nach einem Autounfall zu seinen Großeltern in die österreichische Provinz geschickt. Oder eher in die Großfamilie hineingeworfen, denn ihm wird – wie das halt so ist in den 70er Jahren – nicht wirklich erzählt, was mit seinen Eltern und seinem Bruder geschehen ist. Gemeinsam mit seinen Rabauken-Cousins spielt er viele Streiche und erlebt dabei Tragikomisches und auch Grausames. Das Buch taucht tief in die Zeit ein, die von harter Arbeit in der Landwirtschaft geprägt ist. Man neigt beim Lesen selbst dazu, nostalgisch zu werden. Dennoch kippt der Roman nie ins Kitschige. Eine originell erzählte, kurzweilige Geschichte. Zurecht nominiert sowohl für den Deutschen (Longlist) als auch den Österreichischen (Shortlist) Buchpreis.

Thomas Oláh: Doppler, Müry Salzmann 2023


Dystopische Graphic Novels: Schöne neue Welt und 1984

Schöne neue Welt und 1984

Viele kennen die beiden Dystopien aus der Schullektüre. Wer sich die Themen noch einmal zu Gemüte führen möchte, kann dies sehr gut durch diese wunderschön gestalteten Graphic Novels tun. Sie zeichnen ein düsteres Bild einer Zukunft, die zum Teil bereits Realität geworden ist.

Schöne neue Welt nach Aldous Huxley

In Zeiten von Selbstoptimierung ist Huxleys Schöne neue Welt aktueller denn je. Krankheiten und Altern gibt es nicht mehr, es herrscht sexuelle Freiheit. Die Menschen haben Spaß am Konsum und gegen alle psychischen Probleme gibt es die Droge Soma. Das humanistische Denken ist passé. Dies wird in einem Gespräch besonders deutlich: Die Menschen würden eine Geschichte wie Shakespeares Othello nicht mehr verstehen, weil es Othellos Welt nicht mehr gibt. „Heutzutage ist die Welt stabil. Die Leute sind glücklich, kriegen, was sie wollen, und wollen nie das, was sie nicht haben können.“ In schrillen und bunten Farben gehalten gibt diese Graphic Novel das Lebensgefühl in einer totalitären Zukunftswelt intensiv wieder.

Aldous Huxley, Fred Fordham: Schöne neue Welt, Knesebeck 2022

1984 nach George Orwell

Während Schöne neue Welt den Menschen durch Konsum und Drogen zufrieden und ruhig stellt, geschieht dies in 1984 durch Überwachung und Gewalt. Dementsprechend düster ist die Farbgebung in dem Buch. Es herrscht permanent Krieg, die Menschen haben kaum etwas zu essen, müssen sich in Hass üben und werden rund um die Uhr kontrolliert. Nicht einmal die Gedanken sind frei. Aktuelle Themen sind hier Sprachwandel, die Mittel und Wirkung von Fake News und digitale Bespitzelung. Eine Mahnung zu mehr Wachsamkeit.

George Orwell, Fido Nesti: 1984, Ullstein 2021


Klassiker: Thomas Bernhards autobiographische Schriften

Thomas Bernhard: Die Autobiographie

Dieser Sammelband ist ein Aufschrei. Ob im nationalsozialistischen Internat, im Lehrberuf oder in der Lungenheilanstalt: überall eckt der junge Thomas Bernhard an. Er rebelliert gegen äußere Umstände, steigert sich in Schimpftiraden hinein und stellt sein Umfeld schonungslos bloß.

Katholizismus und Nationalsozialismus gehen in seiner Heimat Salzburg und Umgebung Hand in Hand. Der Jüngling muss sich fügen und wird dabei fast zugrunde gerichtet. Es geht um seine ganz persönlichen Krisen. Aber immer wieder gibt es Menschen wie seinen geliebten Großvater, die ihm zur Seite stehen und ihn aus seiner Ohnmacht und Verzweiflung holen und ihm damit auch das Leben retten.

Thomas Bernhard ist ein Meister des Monologisierens gegen feindliche Mächte. Ein eindringliches Zeugnis, wie Menschen durch ihr Umfeld geprägt und determiniert werden können.

Thomas Bernhard: Die Autobiographie, Residenz Verlag 2009


Meine Buchempfehlungen bei Deutschlandfunk Kultur

Buch in Herzform

In der Sendung Lesart durfte ich mehrmals als Buchhändlerin meine kürzlich gelesenen Bücher empfehlen. In der Deutschlandfunk Kultur Mediathek könnt Ihr gerne meine Tipps anhören. Unterhalb sind auch noch einmal die vorgestellten Bücher aufgelistet. Ich verlinke sie immer direkt mit dem jeweiligen Verlag und nicht mit einem Online-Großhändler. – In der Hoffnung, dass Ihr sie im Buchhandel vor Ort kauft.

In der Sendung vom 23. Oktober 2020 habe ich folgende Bücher vorgestellt:

In der Sendung vom 7. Mai 2021 ging es um diese Bücher:

Für die Sendung vom 17. September 2021 hatte ich folgende Bücher parat: